Russland-Ukraine-Konflikt: Fakten und Hintergründe

Am Donnerstag, den 20.11.2014, durften wir Herrn Prof. Dr. Kluge auf unserem Haus für den Vortrag mit dem Thema „Konflikt Russland-Ukraine – Hintergründe und Fakten“ begrüßen. Prof. Dr. Rolf-Dieter Kluge ist 1937 in Pirna geboren und ein bekannter deutscher Slavist. Er studierte an der Universität Mainz Geographie, Germanistik, Philosophie und Slavistik, wo er dann auch promovierte. Von 1982 bis 2002 war er Professor für slavische Literaturwissenschaften an der Universität Tübingen.

Ein Jahr zuvor löste die ukrainische Regierung mit ihrer Ankündigung das Assoziierungsabkommen mit der EU nicht zu unterzeichnen die Proteste aus, die später als Euromaidan bezeichnet wurden. Mit dieser Bürgerrevolution begann ein Konflikt der über die Grenzen hinaus die Situation den Osten Europas ins Chaos zu kippen drohte. Durch die Krimkrise und bis heute andauernder Instabilität innerhalb der östlichen Oblaste könnte ein neuer kalter Krieg entstehen.

Im ersten Teil des Vortrags erfuhren wir mehr über die Hintergründe des Konflikts anhand der Geschichte des ukrainischen Staates. Das Gebiet der Ukraine war im Laufe der Geschichte oft umstritten und von vielen Mächten sukzessive besetzt worden. Ursprünglich ein Nordgermanenstamm, der zu den Kiewer Rus wurde. So waren sie zeitweise besetzt durch Rus, Mongolen, Osmanen, Österreich-Ungarn, und später durch Russland. Auch war es Pufferzone zwischen rivalisierenden Mächten, so schon im 18. Jahrhundert zwischen dem Königreich Litauen/Polen und Russland.

Aus diesen Gründen besitzt das Land der Ukraine keinen einheitlichen ethnischen Hintergrund. Die Bevölkerung ist durch unterschiedliche Sprache, Konfession und Abstammung in sich selbst gespalten. Auch war der Staat bis zu Unabhängigkeitserklärung nach Zerfall der UdSSR nie wirklich souverän. So verwundert es nicht, dass dieses heterogene Volk im Westen einen Anschluss an die EU wünscht und im Osten die Menschen sich den Anschluss an das alte russische Imperium zurückwünschen.

Die Krim nimmt eine besondere Rolle ein in diesem Konflikt, da die Anschließung an Russland von der westlichen Welt nicht hingenommen werden will und als militärischer Angriff interpretiert werden kann. Im Laufe des ersten Weltkrieges durch Russland eingenommen und spätere Schenkung an die ukrainische Sowjetrepublik besitzt die Halbinsel Bezüge zu beiden Staaten. Über die Jahre hinweg hat es schon frühere Bestreben der Bevölkerung gegeben, wieder an Russland angeschlossen zu werden. Diese wurden jedoch von der Kiewer Regierung als ungültig erklärt und unterdrückt. Erst nach Proklamation der Krim Republik und durch den Militäreinsatz Russlands wurde die Krim der russischen Föderation angegliedert. Die westliche Politik vertritt mehrheitlich die Meinung, dass dieser Anschluss völkerrechtswidrig sei und nur das gesamte Volk bzw. das Parlament eine solche Entscheidung treffen könne. Russland aber beharrt auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker und vergleicht das Vorgehen mit der Lösung des Kosovo Konflikts durch die Nato.

Eine Konsolidierung des Konflikts kann nicht ohne Russland geschehen und deswegen warnt Prof. Dr. Kluge vor der verfahrenen Situation in die sich die EU und die USA manövrieren, indem sie Russland Sanktionen auferlegen. Sanktionen treffen hauptsächlich den Mittelstand und werden kein Einlenken der Politik erreichen. Auch hinterfragt der Vortragende die Rolle Deutschlands als Schlichter, mit dem Hintergrund der Besetzung im Zweiten Weltkrieg. Die OSZE verfolgt zurzeit das Ziel der Dezentralisierung der Staatsmacht in der Ukraine und erhofft sich dadurch eine Rückkehr zu normalen Verhältnissen.

Allerding sei es laut Kluge wichtiger den politischen Dialog wieder aufzunehmen, denn Russland ist nicht aus Europa wegzudenken und daher kann eine anti-russische Politik nicht das Ziel sein.

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