Burschungsvortrag zur Roten Armee Fraktion von Lorenz Fischer

Die „Rote Armee“ war die Arbeiter- und Bauernarmee der Sowjetunion. Die „Rote Armee Fraktion“ war eine linksextreme deutsche Terrorgruppe. Zwischen 1968, dem ersten Erscheinen, und 1998, der Auflösung, waren 60 bis 80 Mitglieder im sogenannten harten Kern, aufgeteilt in 3 Generationen, aktiv. Es kam zu 34 Todesfällen; Bombenattentate, Banküberfälle und einige Entführungen.

Die jungen Leute der APO der 60er Jahre, vorwiegend Studenten, forderten die radikale Demokratisierung aller Lebensbereiche. Sie wollten eine „emanzipierte“ Gesellschaft ohne „autoritäre Strukturen“. Am 2. Juni 1967 nahm der Student Benno Ohnesorg an einer Protestkundgebung teil. In einem Hof traf ihn der Schuss eines Zivilpolizisten in den Kopf. Der folgende Prozess wegen fahrlässiger Tötung endete mit dem Freispruch des Polizisten. Für die Studentenbewegung stellte der 2. Juni 1967 einen Wendepunkt dar.

Am 2. April 1968 legten Baader, Ensslin, Proll und Söhnlein in Frankfurt a.M. in den Kaufhäuser Schneider und Kaufhof selbstgebaute Brandsätze mit Zeitzündern, die kurz vor Mitternacht auslösten, ab. Der Gesamtschaden betrug knapp 2 Millionen DM. Kurz nach dem Auslösen der Brandsätze erhielt die Deutsche Presse-Agentur einen Anruf: „Gleich brennt’s bei Schneider und im Kaufhof. Es ist ein politischer Racheakt.“ Am 31. Oktober 1968 lautete die Strafe jeweils drei Jahren Zuchthaus.

Am 14. Mai 1970 wurde Baader auf Drängen der Journalistin Ulrike Meinhof und deren Verlag ausgeführt. Es wurde ein dreistündiges Treffen organisiert. Bei der Befreiung Baaders kam es zu einem Schusswechsel. Da es keine offizielle Gründung gibt, kann man die Befreiung Baaders als Geburtsstunde der RAF sehen. In der Ausgabe 25/1970 der Zeitschrift Der Spiegel wurde der Artikel „Natürlich kann geschossen werden“ von Meinhof über die Befreiung veröffentlicht.

Zum sogenannten „Harten Kern“ der 1. Generation zählten jene, die in die Befreiungsaktion involviert waren: Andreas Baader und Ulrike Meinhof, welche die Gruppe führten, sowie Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Peter Homann, Holger Meins, Jan-Carl Raspe und weitere.

Von Juni bis August 1970 war die 1. Generation in Jordanien. Sie lernten dort Guerillataktiken, welche sie zum Teil auch in Deutschland nutzten.

Am 29. September 1970 raubte die RAF zeitgleich 3 Banken in Berlin aus. Es waren mindestens 16 Mitglieder beteiligt. Am 9.Oktober wurden deswegen 5 davon verhaftet. Das Geld nutzen sie wahrscheinlich um ihr Leben zu finanzieren. Eine Gruppe RAF-Angehöriger raubte Blanko Pässe und Dienstsiegel.

Im April 1971 veröffentlichte die RAF ihr Papier „Das Konzept Stadtguerilla“. In diesem Papier wird zum ersten Mal ersichtlich welche Ziele die RAF mit welchen Mitteln verfolgt und dass diese eben nicht mit denen der BRD vereinbar sind. Kurze Zeit später begann die Polizei mit der Fahndung der RAF-Mitglieder.
Nach weiteren Banküberfällen begann die RAF im Mai 1972 mit Bombenanschlägen. In Folge dessen gab es am 31. Mai 1972 die „Größte Fahndung in der Geschichte der BRD“. Einen Tag später wurden Baader, Meins und Raspe verhaftet. Am 7. Juni nahm die Polizei Ensslin fest. Auch Meinhof wurde weitere 8 Tage Später in Langenhagen der Polizei verraten. Am 15. Juli war dann der größte Teil verhaftet.

Der Prozess gegen Baader, Meinhof, Ensslin und Raspe wurde in einer extra errichteten Mehrzweckhalle in Stuttgart-Stammheim geführt. Fast alle RAF-Mitglieder wurden nach und nach im neuen Hochsicherheitsgefängnis auch in Stuttgart-Stammheim untergebracht.

Zu Beginn der Haft kamen alle in Einzelhaft, in der Zelle von Meinhof war das Licht rund um die Uhr an. Sie schrieb in ihrer Zelle was sie fühlte und wie es ihr erging. Ebenso wurde eine neue Strafprozessordnung erlassen, wodurch Baader zu Beginn des Prozesses keinen Vertrauensanwalt hatte.

Prozessauftakt war am 21. Mai 1975 (1). Am 21. Verhandlungstag stellt Meinhof fest, dass es ein politischer Prozess sei. (26) Baader beschimpft den Vorsitzenden als „faschistisches Arschloch“, die anderen wiederholen es, alle werden abgeführt. Durch eine erneute Änderung der Strafprozessordnung erscheinen die Angeklagten nicht mehr oft (40). Am 8./9. Mai 1976 erhängte sich Meinhof in ihrer Zelle. Am 7. April 1977 wurde Siegfried Buback, Generalbundesanwalt, in Karlsruhe erschossen. 3 Wochen später, nach 192 Prozesstagen, war mit Urteilsverkündung das Verfahren beendet. Die drei noch lebenden wurden zu lebenslanger Haft verurteilt.

Nach dem Versuch durch Bubacks Mord die Gefangenen zu befreien, wurde am 5. September 1977 der Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer entführt und bis zu seiner Tötung am 19. Oktober festgehalten. Am 13. Oktober entführten Palästinenser die Lufthansa Maschine „Landshut“. Am 18.Oktober um 0:05 Uhr stürmte die GSG9 in Mogadischu das Flugzeug.

Als um 0:38 der Bericht im Radio läuft hören diesen auch die Gefangen. Als gegen 7:45 Uhr die Zellen geöffnet werden wird Rapse mit einer Schusswunde gefunden. Kurz danach auch Baader, Ensslin hing in Zelle wie Meinhof. Raspe starb um 9:40 Uhr im Krankenhaus, die beiden anderen waren schon beim Auffinden Tod.

Neben Buback und Schleyer gab es noch zu 32 weitere Opfer. Davon war nur eine einzige Person eine Zivilistin. Ebenso kamen 19 Mitglieder der RAF ums Leben.

Im März 1998 löste sich die RAF selbst auf. In ihrer Erklärung, am 20. April 1998, schreibt sie: „Vor fast 28 Jahren, am 14. Mai 1970, entstand in einer Befreiungsaktion die RAF: Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte.“ Am Ende schließen sie mit dem Gedenken an ihre toten RAF-Mitglieder und Sympathisanten. Danach folgt nur noch das Zitat von Rosa Luxemburg: „Die Revolution sagt: Ich war – ich bin – ich werde sein.“

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Burschungsvortrag zur Roten Armee Fraktion von Lorenz Fischer