Waterloo – ein Vortrag von AH Christian Roth

Am 18. Juni 2015 jährte sich die Niederlage Napoleons bei Waterloo zum 200. Mal. Zu diesem Anlass ließ es sich unser werter Alter Herr Christian Roth nicht nehmen, uns in einem Vortrag diese berühmte Schlacht und ihre Bedeutung in der Weltgeschichte näherzubringen.

Die Schlacht bei Waterloo gilt als eine der bekanntesten Schlachten aller Zeiten. Dementsprechend haben sich viele Persönlichkeiten in Literatur, Film und Musik mit ihr auseinandergesetzt. Aber was macht Waterloo so besonders? Diese Frage wirft AH Roth in den Raum. Es war keine besonders große Schlacht und auch kein strategisches Glanzstück. Was sie so bedeutend macht ist anscheinend einzig und allein, dass sie das Ende von Napoleons Wirken in Europa markiert und muss folglich in diesem Kontext betrachtet werden.

Napoleon Bonaparte ist 1769 auf Korsika geboren und schlug eine militärische Laufbahn ein. Während der Französischen Revolution stieg er zum General auf und blieb während der instabilen innenpolitischen Situation in Frankreich möglichst unpolitisch und diente stets der jeweiligen Regierung. In den Revolutionskriegen gegen die europäischen Monarchien gewann Napoleon eine Schlacht nach der anderen und galt schnell als Wundergeneral.
1799 beging er einen Putsch in Paris und erklärte sich zu einen von drei Konsuln und nur wenig später zum Diktator auf Lebenszeit.
Militärisch war er weiterhin erfolgreich und besetzte zahlreiche angrenzende Gebiete, wie etwa das Rheinland. In Frankreich und den besetzten Gebieten führte er mehrere moderne Reformen durch, die später als Code Napoleon bezeichnet worden sind. 1804 ernannte er sich selbst zum Kaiser der Franzosen und es folgte der Höhepunkt seiner Macht. Er schlug alle europäischen Mächte und verteilte verschiedene Herrscherthrone an seine Verwandten.

Aber ab 1808 regte sich vermehrt Widerstand. Vor allem in Spanien startete unter Mitwirkung von Arthur Wellesley, der spätere Lord Wellington, ein Guerilla-Krieg gegen die französische Besatzung. Ab 1811 bereitete sich Napoleon auf einen Krieg mit Russland vor und marschierte 1812 mit ca. 450.000 Mann, der größten Armee, die Europa bis dahin gesehen hatte, gen Russland. Viele Soldaten in der Grande Armée wurden zwangsweise von den Rheinbundstaaten, Preußen und Österreich gestellt. Der Plan Bonapartes, eine schnelle, entscheidende Schlacht herbeizuführen, schlug fehl, da sich die russische Armee stets landeinwärts zurückzog.
Bei der Verfolgung kam es vermehrt zu Versorgungsengpässen, da die Russen die Politik der verbrannten Erde verfolgten, so dass sich Napoleons Armee nicht vom Land ernähren konnte. Zwar gelang es ihm schließlich im Herbst Moskau mit einer bereits deutlich reduzierten Armee einzunehmen, doch der Zar verweigerte Friedensverhandlungen und Napoleon war gezwungen wieder nach Frankreich zurückzumarschieren. Durch die einsetzende Kälte, mangelnde Versorgung und ständige Angriffe russischer Kosaken erlitt die Grande Armée weiterhin zahlreiche Verluste. Am Ende erreichten nur noch ca. 10.000 Mann die preußische Grenze. Zu diesem Zeitpunkt war Bonaparte bereits wieder in Paris, um eine neue Armee aufzustellen. Die russische Armee setzte zum Konterangriff an.

In Deutschland führte die Niederlage Napoleons zu einem Aufschwung der nationalen Bewegung. Der Druck der öffentlichen Meinung führte dazu, dass bisherige Verbündete Bonapartes sich der Gegenseite zuwandten. Daher schloss Preußen ein Bündnis mit Russland und rief zum Befreiungskrieg auf. Nur wenige andere deutsche Länder folgten Preußen und anfangs konnte Napoleon mit seiner neuen Armee auch einige Siege gegen die Russen und Preußen erringen. Auf der Friedenskonferenz in Prag stellten die anderen europäischen Mächte Napoleon ein Ultimatum,
das unter anderem die Freigabe besetzter, deutscher Gebiete beinhaltete. Bonaparte lehnte dies ab, woraufhin auch Österreich und Schweden Frankreich den Krieg erklärten.
1813 kam es zur Völkerschlacht in Leipzig, die Napoleons Niederlage gegen die Alliierten besiegelte. Nach dieser Niederlage regte sich auch innerhalb Frankreichs Widerstand gegen das Regime und 1814 dankte Napoleon als Kaiser ab und wurde nach Elba verbannt. Der Bourbone Ludwig XVIII. wurde von den Siegermächten wieder als König eingesetzt und der Friedensvertrag mit Frankreich fiel relativ gnädig aus.

Das hätte das Ende von Napoleon Bonaparte sein können. Der neue König erließ eine moderne Verfassung und übte keine Rache innerhalb des Volks. Wieso es doch anders kam, kann vielerlei Gründe haben. So war Ludwig XVIII. bereits alt und kränkelte und wurde als König der Alliierten gesehen. Zudem wurde die Armee auf 200.000 Mann reduziert, was dazu führte, dass viele ihre Anstellung verloren. Dazu kam, dass sich die Siegermächte auf dem derzeit tagenden Wiener Kongress gerade über Polen zerstritten.
Napoleon selbst wurde in seinem Exil auf Elba nicht glücklich. Die ihm versprochene Rente erhielt er nicht, seine Frau wurde in Österreich festgehalten, und generell war ihm Elba wohl einfach zu wenig. Daher beging er ein großes Wagnis und setzte im März 1815 mit 1.100 Mann nach Frankreich über und marschierte nach Paris. Auf seiner Route nahm er verschiedene Städte ein, indem die dort stationierten Soldaten und Befehlshaber zu ihm überliefen. So erreichte er am 20. März Paris und plant ein neues Regime zu errichten. Um dies zu erreichen, musste er sich entscheiden entweder einen Ausnahmezustand einzuberufen und die absolute Befehlsgewalt an sich zu reißen oder im Gegensatz zu früher einen inneren Kompromisskurs einzuschlagen. Dies würde weniger Anfeindungen im Inneren bedeuten, ihn aber auch mehr Zeit kosten. Zu seinem Unglück erreicht die Nachricht von Napoleons Landung in Frankreich relativ schnell die noch Wien tagenden Siegermächte, die ihm sofort wieder den Krieg erklären.

Napoleons Armee zu diesem Zeitpunkt war ca. 120.000 Mann stark, während die Alliierten zusammen auf über 800.000 Soldaten zurückgreifen konnten. Bonaparte hoffte allerdings, dass er ihre Armeen einzeln besiegen konnte, bevor alle Parteien die Front erreichten.

So begann Napoleons Belgienfeldzug, in dem die erfahrene französische Armee auf die zahlenmäßig zwar überlegenen, aber vergleichsweise unerfahrenen Truppen der Preußen und der Briten traf. Der britische Befehlshaber, Lord Wellington, war bekannt dafür, dass er sich sehr defensiv verhält, während der preußische Generalfeldmarschall Gebhard von Blücher seinem Spitznamen „Marschall Vorwärts“ alle Ehre machte. Napoleon entschied daher, die Preußen zuerst anzugreifen, mit der Erwartung, dass Wellington ihnen nicht zur Hilfe kommen würde. Zugleich befahl er Michel Ney, Oberbefehlshaber über den linken Flügel, Wellington in der Stadt Quatre Bras anzugreifen und die Stadt einzunehmen.

AH Roth betont an dieser Stelle, welche entscheidende Rolle Kommunikation bzw. der Mangel an Kommunikation in diesem Feldzug gespielt hat. Es gab so einerseits Missverständnisse zwischen den britischen und den preußischen Armeen über die britische Positionierung, aber andererseits auch zwischen Napoleon und Ney. So befahl Napoleon einem nachrückenden Korps, das Ney unterstützen sollte, zu ihm zu stoßen, da er damit rechnete, dass Ney Quatre Bras bereits erobert hatte. Die Eroberung schritt aber langsamer voran als Napoleon antizipiert hatte und Ney orderte daher das Korps wieder zurück, was dazu führte, das ein ganzes Korps ungenutzt zwischen den Schlachten hin- und herlief.

Am Ende des Tages kann Napoleon die preußische Armee zwar schlagen, aber nicht vernichten und ermöglicht ihnen den Rückzug. Erst recht spät schickte er einen Verfolgungstrupp hinterher.
Die Preußen indes hatten zwei Optionen: Entweder wählen sie den riskanten Weg und versuchen zu den Briten zu stoßen oder sie ziehen sich weiter zurück in eines der preußischen Quartiere, wo sie sich neu organisieren könnten. Von Blücher war zu diesem Zeitpunkt schwer verletzt und die Entscheidung oblag daher seinem Vertreter und Stabschef August von Gneisenau. Der sogenannte Verteidiger von Kolberg entschied zu den Briten zu marschieren.

Am Folgetag, dem 18. Juni, stehen sich die Armeen von Lord Wellington und Napoleon gegenüber. Beide Armeen haben Stellung auf gegenüberliegenden Hügeln bezogen. Während Wellington sich weiterhin defensiv verhalten konnte, geriet Napoleon allerdings unter Druck, da die Preußen jederzeit eintreffen könnten. Dazu kam, dass aufgrund des schlechten Wetters während der Nacht die Artillerie nur sehr langsam in Position gebracht werden konnte.
Um Wellington aus seiner defensiven Stellung herauszulocken, plante Napoleon einen Angriff auf seinen rechten Flügel anzutäuschen. Dies würde Wellingtons Rückzugsmöglichkeiten einschränken und Napoleon erhoffte sich, dass die Briten daher Truppen aus dem Zentrum zur Unterstützung des Flügels schicken würden. Dies hätte Napoleon dann für einen Angriff aufs Zentrum nutzen können.
Er beauftragte seinen Bruder Jerome mit diesem Täuschungsmanöver, aber die Briten bissen nicht an. Ein dennoch durchgeführter zentraler Angriff blieb erfolglos.
Am Nachmittag trafen die ersten preußischen Truppen ein und setzten die Franzosen weiter unter Druck. De Grouchy, der mit seinen Truppen die Preußen verfolgen sollte, hörte zwar die Kanonen der Schlacht, aber statt umzukehren und Napoleon zur Hilfe zu eilen, befahl er seinen Truppen weiterhin in die Richtung zu marschieren, in der er die Preußen vermutete.
Auch das ist wieder ein gutes Beispiel dafür, wie ausschlaggebend die Kommunikationsprobleme für diese Schlacht waren.

Michel Ney begann eine Reihe von Kavallerie-Attacken auf die britische Stellung. Die Briten formierten sich entsprechend und konnten die Angriffswellen der Reiter relativ gut überstehen. Ein besseres Zusammenspiel zwischen französischer Infanterie, Kavallerie und Artillerie an dieser Stelle hätte vernichtend für die Briten sein können. Aber Ney setzte einfach immer wieder nur die Kavallerie ein und Napoleon ließ ihn gewähren.
Als immer mehr preußische Truppen dazu stoßen, setzt Napoleon die Alte Garde, seine Elite-Truppe, ein, um die Schlacht schnell zu entscheiden. Aber da diese nur noch aus Infanterie bestand, konnten die Briten diese ebenfalls erfolgreich abwehren.
Als diese letzte Hoffnung Napoleons ebenfalls scheiterte, trat er zum Rückzug an. Die Alte Garde hielt die anrückenden Briten und Preußen noch so lange wie möglich auf.

Nur wenige Tage später, am 22. Juni, dankte Napoleon erneut ab in Paris ab. Am 07. Juli besetzen die Alliierten Paris und setzen am 08. Juli Ludwig XVIII. wieder auf den Thron. Obwohl sie explizit einen Krieg gegen Napoleon und nicht gegen Frankreich selbst geführt hatten, wurde Frankreich nun ein härterer Frieden als zuvor auferlegt. So werden u.a. Reparationen sowie Gebietsabtretungen gefordert.
Napoleon wurde als britischer Kriegsgefangener nach St. Helena verbannt, wo er 1821 starb.

Welche Bedeutung hat in diesem Kontext also die Schlacht von Waterloo?
Für Belgien und die Niederlande ist sie Teil des Staatsgründungsmythos. Auch für die Briten ist sie sehr wichtig. Lord Wellington hat ihr den Namen Waterloo gegeben, da das britische Hauptlager bei Waterloo lag und so verdeutlicht, dass die Briten es waren, die diese Schlacht gewonnen haben.
Im Endeffekt war es weder eine besonders große noch eine gut geschlagene Schlacht. Aber für viele ist sie das Symbol für das Ende Napoleons.

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Waterloo – ein Vortrag von AH Christian Roth