Die Lehren und das Leben des Friedrich von Hayek – Burschungsvortrag von Dennis Maghetiu

Wenige Personen der Nachkriegszeit haben einen derartigen Einfluss auf Wirtschaft und Politik gehabt, derart viele Impulse für die weitere Entwicklung der Ökonomie der westlichen Welt gegeben wie Friedrich August von Hayek. Nicht nur seine Lehren verlocken zu näherer Betrachtung, auch sein Wirken und Einwirken auf Gesellschaft und Führer der Welt könnten Bücher füllen. In meinem Vortrag habe ich die Theorien, die Hayek während seines langen Lebens verfasst hat, im Wandel der Zeit vorgestellt und mit seinem Wirken und den zeitlichen Umständen in Verbindung gebracht.
Seine Jugend verbrachte der Sohn einer wohlhabenden Beamtenfamilie in seiner Heimatstadt Wien. Er war vielseitig interessiert, beschäftigte sich mit Naturwissenschaften und studierte Soziologie, Jura und Volkswirtschaftslehre. Nach doppelter Promotion wurde er 1927 Leiter des österreichischen Institut für Konjunkturforschung. Hier begann sein steiler Aufstieg in ökonomischen Kreisen. Zu dieser Zeit schrieb er sein Buch „Preise und Produktion“. Er führte auf Basis der Gleichgewichtstheorie aus, wie ein Auseinanderklaffen von natürlichem und Bankzinssatz sich zuungunsten des Marktes auswirkt. Außerdem unterstrich er den Wert des freiwilligen Sparen. Durch den daraus resultierenden, mäßigen Rückgang der Nachfrage nach Konsumgütern sinke deren relativer Preis. Zudem führe es zu einer steigenden Kapitalbildungsquote und somit durch gesenkten Zins für Kapital zu mehr Investitionen. So werde durch freiwillige Sparsamkeit ein Gleichgewicht und Wachstum stimuliert.
Mit seinen neuen Thesen und publikumswirksamer Arbeit als Advokat des freien Marktes und einem Staat, der von Regulationen absieht, wird Hayek eine Führungsfigur innerhalb der Wiener Schule der Ökonomie. Diese zeichnet sich unter anderem durch die Betonung der subsidiären Ordnungskraft der Unternehmer aus, sowie methodisch Wert auf die Psychologie der Marktteilnehmer zu legen.
Epochal war die Vertretung seiner Lehren gegen seinen intellektuellen Konkurrenten John Maynard Keynes, Professor in Cambridge. Nach Hayeks Berufung auf die London „School of Economics“ 1931 boten sich die Ökonomen eine direkte Auseinandersetzung, ohne dass ihr gutes persönliches Verhältnis Schaden nahm. In seinen Werken „Choice in Currency“ (1976) und „Denationalisation of Money“ (1978) fasste er lange nach seiner Zeit in London seine Argumente gegen Keynes Ansicht, ein Staat müsse für eine wünschenswerte Konjunktur und Arbeitsmarkt künstlich in den Markt eingreifen, zusammen. Gerade die Manipulation des Bankenzins durch den Staat führe zu einer Diskrepanz zwischen Kapital und Investition. Um dieses Moment aufrechtzuerhalten, benötige der Markt aber nun immer mehr künstliche Liquidität. Fatal werde die Lage, wenn dadurch stark risikobehaftete Investitionen rentabel werden. Eine ökonomische Blase entsteht, an deren Anfang die zunächst gut gemeinte Absicht des Staates stand, die Wirtschaft durch aktive Zinspolitik zu Wachstum zu bewegen. Wegen dieses Effekts steht er auch den Zentralbanken feindlich gegenüber. Ihre angestrebte Kontrolle über den Geldwert könne nie dem dynamischen natürlichen Zins gerecht werden. Hayek gibt sich aber keiner Illusion hin. Auch er erkennt, dass Konjunkturzyklen periodisch zu Wirtschaftskrisen führen, staatliche Interventionen aber beschleunigen den Prozess und potenzieren den Schaden. Er betont die Kraft des Marktes sich eigenständig zu erholen.
Friedrich von Hayek setzte sich nicht nur akademisch, sondern auch politisch für seine Theorien ein. 1947 versammelte er 36 liberale Gelehrte in der Schweiz, um die Mont-Pelerin-Society zu begründen, die sich hernach für die Überzeugung zukünftiger Generationen vom Liberalismus einsetzen sollte. Auch verschiedene ökonomische Schulen wurden von ihm mitgeprägt, oder zumindest beeinflusst. Durch seine Berufung auf die University of Chicago 1950 kam er in Kontakt mit der Chicagoer Schule die in den nächsten Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten sehr einflussreich werden sollte. Und ab 1962 lehrte er in Freiburg, einem Sitz der Ordoliberalen Schule Ludwig Erhards. Als Berater und Person öffentlichen Lebens setzte er sich weltweit für einen freien Markt ein und vehement gegen jede Form des Sozialismus.
So gilt „Road to Serfdom“ als sein bekanntestes Buch, obwohl es weniger ökonomisch und vielmehr politisch ist. Für ihn ist eine Planwirtschaft nicht nur dem dynamischen Markt unterlegen, da eine zentrale Regierung niemals die Komplexität aller Wirtschaftsabläufe und Wünsche der Menschen erfassen kann. Nein, der bloße Versuch einen sozial gerechten Markt zu etablieren müsse laut Hayek im Totalitarismus enden, wie man an den Beispielen des faschistischen Italien und Deutschland, sowie dem sozialistischen Russland studieren kann. Denn sobald Preis und Gut nicht mehr von der freien Abfrage zwischen Käufer und Verkäufer abhängen, muss der Staat planen und seine Planung durchsetzen. Diese Durchsetzung muss in jedem Aspekt der Arbeit, jedes Angebots und jeder Nachfrage ohne Widerspruch erfolgen, ansonsten entstehen Lücken im „gerechten“ System. So wird und bleibt der Mensch schutzlos staatlicher Macht ausgeliefert.
Friedrich von Hayek prägte durch sein Wirken an vielen westlichen Universitäten, durch seine bedeutenden Arbeiten in der Volkswirtschaftslehre, sowie ausgedehnte Öffentlichkeitsarbeit wesentlich die Entwicklung der Marktwirtschaften in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gewürdigt wurde seine Arbeit unter anderem durch die Verleihung des Nobelpreis für Wirtschaft und der „Presidential Medal of Freedom“. Geschmeichelt hat ihm bestimmt Margret Thatchers Reformen nach seinem Profil und der Fall des Kommunismus, den er am Ende seines Lebens noch erleben durfte.

Die Lehren und das Leben des Friedrich von Hayek – Burschungsvortrag von Dennis Maghetiu