Warum Verbindung?

VDSt ist die Kurzform für „Verein Deutscher Studenten“. 

Der VDSt ist eine Studentenverbindung, die sich mit ihrer Mischung aus Tradition und Jugendlichkeit ganz gut mit der bayerisch-stoiberschen Formel von „Laptop und Lederhose“ umschreiben lässt (wobei es bei uns richtigerweise „Laptop und Pekesche“ heißen müsste). Tradition hat beim VDSt vor allem die Mixtur aus Spaß und korporativer Geselligkeit – die auf Fechten und Farbentragen verzichtet – einerseits, aus ernsthaftem und tiefergehendem politisch-historischen Interesse andererseits.

Politisches Prinzip

Konkret gesprochen heißt dies, dass ein Gutteil der VDSt-Veranstaltungen – grob gesagt die Hälfte – aus Vorträgen, politischen Diskussionsrunden und sonstigen tiefgeistigen Angelegenheiten besteht, was den Mitgliedern abgesehen von ein wenig Allgemeinbildung auch die Möglichkeit bietet, sich im Debattieren zu üben und ihre rhetorischen Fertigkeiten ein Stück weit zu verbessern.

Dies zeichnet uns als Korporation aus.

Dem VDSt liegt viel am Streit und an der Vielfalt der Meinungen, er ist parteipolitisch neutral – was nicht heißt, dass er sich scheuen würde, hier und da auch einmal Partei zu nehmen. Für jedes Semester wird ein Leitthema gewählt, das den Schwerpunkt der Veranstaltungen – vor allem der Vorträge – einnimmt. Dabei bemühen wir uns, eine gute Mischung aus renommierten externen Referenten und selbstorganisierten, selbstgemachten Vorträgen unserer Mitglieder zu finden. Auch mancher angehende Jungakademiker hat schon das eine oder andere Sujet, über das er qualifiziert berichten kann!

Spaßgesellschaft

Soweit die eine Hälfte, die für sich genommen interessant, alleine aber auf die Dauer ermüdend wäre. Deshalb der andere Teil. Der VDSt veranstaltet auf seinem Haus in jedem Semester mindestens zwei größere Festivitäten, meist sogenannte Themenpartys, die für die breite Öffentlichkeit gedacht sind, dazu ungezählte private Zusammentreffen der Mitglieder, die in den  Semesterprogrammen gar nicht auftauchen. Neben diesen relativ zwanglosen Veranstaltungen gibt es auch die traditionelleren Feiern – für Eingeweihte: die Kneipen und die Kommerse -, die nach altstudentischem Ritus abgehalten werden und der Beweis dafür sind, dass Stil und Vergnüglichkeit keinesfalls Unvereinbarkeiten darstellen. Diese Art der Feier zeichnet so gut wie jede Studentenverbindung aus.

Deutsche Männer?

Womit wir bei einem kritischen Punkt wären: die Kommerse zählen zu den wenigen Veranstaltungen, bei denen Frauen – in der Regel – nicht zugelassen sind. Tatsächlich nimmt der VDSt nur männliche Studenten als Mitglieder auf – sonst müsste er ja politisch korrekt „Verein Deutscher Studierender“ heißen -, was freilich nicht als Zeichen von Frauenfeindlichkeit missdeutet werden sollte, denn als Gäste sind selbige bei der überwiegenden Mehrzahl der Veranstaltungen und auch sonst zwischendurch sehr gerne gesehen. Nur sind die jungen Herren bei mancherlei Gelegenheit dann doch lieber unbeaufsichtigt. Das andere einschränkende Adjektiv im Vereinsnamen („deutsch“) rührt daher, dass die ersten Vereine Deutscher Studenten im 19. Jahrhundert unter anderem mit der Zielsetzung gegründet wurden, im frisch gegründeten Bismarckreich das gesamtdeutsche Nationalgefühl zu stärken – heute würde man vom Streben nach „innerer Einheit“ sprechen.

Verband

Nun haben wir, ohne es recht zu bedenken, vom VDSt im Plural gesprochen. Und in der Tat, den VDSt gibt es nicht nur einmal, und man muss eigentlich immer dazusagen, welchen man gerade meint, in unserem Fall also: VDSt Karlsruhe. Vereine Deutscher Studenten gibt es an ungefähr vierzig Hochschulstandorten. Organisiert ist diese Vielzahl in einem länderübergreifenden Verband, dem VVDSt. (Tatsächlich gibt es Vereine Deutscher Studenten nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch in Österreich und Ungarn, mit engen Verbindungen nach Polen und Rumänien.) In dessen Aufgabenbereich fällt es etwa, größere Tagungen und Exkursionen zu planen und durchzuführen, die die Kraft einzelner Vereine übersteigen, Europa- oder Regionaltagungen beispielsweise. Und da kann es sehr reizvoll sein, wenn die Aachener Chemieingenieure mit den Tübinger
Religionsphilosophen zusammentreffen…

Nebenbei gesagt hat diese Verbandsstruktur natürlich auch profanere Vorteile. Wenn ein VDSter einmal an einen anderen Hochschulort wechseln möchte oder dort ein Praktikum absolvieren will, wo ein VDSt existiert, dann braucht er sich in der Regel nicht lange mit der Wohnungssuche aufzuhalten.

Geschichte

Im VVDSt gibt es Vereine Deutscher Studenten unterschiedlicher Größe, aber auch unterschiedlichen Alters. Die ältesten wurden  im Jahr 1881 gegründet. Seither ist viel Zeit vergangen in Deutschland, mit Höhen und Tiefen. Beim VDSt hat man keinesfalls alle ausgelassen. Der VDSt Karlsruhe ist da mit dem Gründungsjahr 1957 eher eine Spätgeburt. Dennoch wird auch hier sehr viel Wert auf die lange Tradition der deutschen Studentenverbindungen gelegt, die grob gesagt mit dem napoleonischen Zeitalter oder kurz danach beginnt. Eine Vorgeschichte der Märzrevolution von 1848 kann ohne Bezug auf die damalige Studentenbewegung schlichtweg nicht geschrieben werden. Neuen Mitgliedern wird deshalb in ihrem ersten Vereinsjahr ein kostenloser Kurzkursus in Korporationsgeschichte verordnet. Man soll ja wissen, woher man kommt! Und auch sonst sind, unabhängig vom Semesterthema, Referenten zu historischen Themen immer gerne gesehen. Denn wer seine Geschichte nicht kennt, ist womöglich dazu verdammt, ihre unglücklichen Teile noch einmal zu durchleben.

Lebensbund

Eine lange Geschichte und stolze Tradition hat beim VDSt noch etwas anderes: das sogenannte Lebensbundprinzip. Dieses ist gradezu die Definition einer Verbindung. Denn irgendwann ist es leider mit dem Studium einmal vorbei – beim einen früher, beim anderen später – und es wäre ja schade, wenn eine gewachsene Gemeinschaft dann plötzlich auseinanderfiele. Deshalb gibt es neben den aktuell studierenden VDStern (den sogenannten „Aktiven“, was nicht heißt, das die anderen inaktiv wären) die zahlenmäßig weitaus größere Gruppe der Alten Herren, die sich in einem eigenen Verein zusammengeschlossen haben. Lebensbund bedeutet nun zweierlei. Zum einen versuchen die Alten Herren untereinander, wo immer das möglich ist, über das Studium hinaus einen regelmäßigen Kontakt zu erhalten. Zum anderen bemüht man sich beiderseits redlich, ein intensives generationenübergreifendes Verhältnis zwischen den Aktiven und der Altherrenschaft zu etablieren. Die jungen Studenten profitieren so von der Erfahrung und Lebensweisheit der Älteren, während man sich auf der anderen Seite durch all die jugendliche Frische in der Umgebung selbst etwas jünger fühlt. Nebenbei entsteht durch den Verband ein breites Altherrennetzwerk, das auch berufliche Vorteile bieten kann. Zweimal im Jahr veranstaltet der VDSt Karlsruhe größere interne Festlichkeiten – im Januar das „Winterfest“, im Mai das „Stifungsfest“, der Vereinsgründungstag -, zu denen die Aktiven und der größte Teil der Altherrenschaft zusammenkommen. Und auch sonst herrscht bei gemeinsamen Stammtischen, bei den Vorträgen und anderswo ein reges, fruchtbares Miteinander. Das bereitet dann auch jenen Vergnügen, die es mit den studentischen Feierlichkeiten oder dem geistig-politischen Tiefgang vielleicht nicht so am Hut haben. Denn das eine bietet der VDSt ganz sicher: die pure Freude an der Gemeinschaft.